Expertengespräch

Schwarz oder weiß?

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"Schwarz oder weiß?
Dampfdicht oder diffusionsoffen?"

Einführung

Schwarz oder weiß?

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Schwarz oder weiß?
Die Rede ist von einschichtigen gedämmten Flachdächern in Holzbauweise mit Zwischensparrendämmung,bei denen es im gleichen Maße, wie die EnEV zu immer größeren Dämmstoffdicken führte, in immer mehr Einzelfällen zu Schäden kam. Nicht häufig genug, um die Bauweise selbst in Frage zu stellen. Aber doch genug, einige Punkte kritisch zu hinterfragen und Erfahrungen auszutauschen. Das taten hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Handwerk und Industrie mit Blick auf die Praxis.

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Stimmen

Fachleute nehmen Stellung

Josef Rühle: „Wir müssen den qualifizierten Handwerker mit dem Argument ‚Sicherheit’ mehr in den Fokus des Bauherren rücken. Nur er kann überblicken, wie der objektspezifische und auf die spätere Nutzung abgestellte Schichtenaufbau eines Flachdaches sein muss. Mit Holz bringen wir praktisch immer Feuchtigkeit in die wärmedämmende Konstruktion ein. Deshalb sind fehlertolerante Schichtenfolgen zu bevorzugen. Dazu gehören Konstruktionen, bei denen die tragende Holzkonstruktion unterhalb der dampfsperrenden, wärmedämmenden und abdichtenden Schichtenfolge angeordnet ist. Ebenso können nicht belüftete Konstruktionen mit zusätzlicher Luftschicht unter der Schalung oder belüftete Konstruktionen eine gute Lösung darstellen. Der Handwerker übernimmt für das erstellte Gewerk die Gewährleistung und bevorzugt langfristig bewährte Konstruktionen.“

Gerhard Freisinger: „Die Holzkonstruktion als vollgedämmtes Sparrendach ist durchaus baubar. Die Konstruktion muss nur nach unten diffusionsdicht und nach oben diffusionsoffen sein. Außerdem darf die Dämmstoffdicke nicht mehr als 16 cm bzw. die Höhe der Sparrentragkonstruktion betragen. Entscheidend ist dabei, den Baustoff Holz trocken einzubauen – und generell in jeder Hinsicht hochwertig zu bauen. Denn anders als beim Warmdach haben wir bei dieser Konstruktion häufig keine Reserve mehr. Es gilt also, nicht an die Grenzen des noch Möglichen zu gehen.“

Dr. Ing. Claudia Fülle: „Um ein nachweisfreies unbelüftetes Flachdach in Holzbauweise schadensfrei zu bauen, sind die 7 goldenen Regeln, herausgegeben von der WTA-Arbeitsgruppe Feuchtetechnische Bemessung von Holzkonstruktionen einzuhalten. Die Abdichtung muss unverschattet sein, eine dunkle Oberfläche haben und frei sein von Deckschichten, die die Aufheizung verhindern. Bevor der Aufbau geschlossen wird, ist die Holzfeuchte von Tragwerk und Schalung zu dokumentieren. Bei Abweichungen davon kann der Nachweis mit hygrothermischen Simulationen erfolgen. Ggfs., z.B. bei PV-Anlagen ist zusätzlich zu dämmen.“

Dipl.-Ing. Bernhard Gutsche: „Wer mit feuchten Baustoffen arbeitet, darf sich nicht wundern, wenn er Feuchtigkeit in der Konstruktion hat. Wenn Bauholz gem. DIN 68 800 bis auf einen Feuchtegehalt von 20 % getrocknet ist, ist der Einbau völlig unproblematisch. Aber versuchen Sie mal, im Baustoffhandel soweit vorgetrocknetes Holz zu finden! Je mehr Feuchtigkeit wir haben, desto diffusionsoffener muss die obere Abdichtungslage sein. Aber auch das reicht nur, wenn die Dachfläche weitgehend unverschattet ist.“

Wolfin und dicht.